Sonntag, 15. Juli 2012

Von Gibraltar nach Cartagena (2012)

Helen will add her comments here (in english language) at a later stage, as she is still very busy with her professional life and will need some time to catch up.

Am Freitag, 1. Juni legten wir ab von dem alten Navy Pier in Marina Bay Gibraltar und motor-segelten mit Kurs 165° über die Strasse von Gibraltar über die seitlich anrauschenden Wellen, die hier oft von West-Ost oder Ost-West laufen - genau wie der Wind (Poniente oder Levanter).
In der spanischen Exklave Ceuta wurden wir von Marinabeamten begrüsst, die keine Flexibilität für attraktive Preisgestaltung kannten - obwohl noch einige Liegeplätze frei waren. Man beharrte auf 63 Euro pro Tag. Der anschliessende Spaziergang durch das attraktive Städtchen zum Supersol Supermercado und Lidl entschädigte uns für den Frust. Besonders am Eingang von Lidl liess sich wunderbar "People-Watching" betreiben. Marokkanische Familien fuhren im klapprigen Mini-Van vor und beluden kurze Zeit später ihr Gefährt mit dutzenden Kartons UHT-Milch, Fruchtsaft und Mineralwasser. Mama tief verhüllt mit Kopftuch und schwarzer Robe, Tochter in Jeans und engem T-Shirt - Ehemann souverän im ebenfalls westlichen Freizeit-Look. Die spanische Familie des gegenüberliegenden Festlandes nicht zu unterscheiden vom Weekend Shopper im Migros.
Ceuta Marina by Night
Seit 2005 rund 11'000 Afrikaner versuchten das "gelobte" Europa via Ceuta zu erreichen umgeben dies nun 6 Meter hohe Drahtzäune mit Infrarot-Kameras, Bewegungs- und Geräusch-Melder. In Ceuta leben 75'000 Einwohner wie in einer Festung- mit reicher Geschichte und Kultur. Durch den stark aufkommenden Wind verzögerte sich unser Ablegen noch um zwei weitere Tage um dann am 4. Juni bei Bf 4 im Hafen abzulegen Richtung Marokko - der Marina Smir.
Bereits eine halbe Meile draussen in der Strasse von Gibraltar erwarteten uns dann coole Bf6 und relativ wenig Welle - also raus mit der Genua auf den Block und mit 6,5 Knoten gemütlich gen Smir segeln. Leider fiel der schöne Bf6 auf Bf1 zusammen als wir die südliche Ecke von Ceuta umrundeten.
Das Einklarieren in Smir verlief reibungslos und die junge Marokkanerin liess sogar zum Thema Preis mit sich verhandeln. So zahlten wir anstelle von 65 Euro bloss 45 und planten deshalb die Ankunft von Adrian - unserem kommenden Besuch aus der Schweiz - hier abzuwarten.
Die eigene offiziellen Staatsbezeichnung lautet „al-Mamlaka al-Maghribīya“ als „Maghrebinisches Königreich“. Durchgesetzt hat sich jedoch der Name "Marokko" (sich an die ehemalige Hauptstadt Marrakesch anlehnend). Im arabischen versteht man unter Maghreb "Westen", da Marokko das westlichste Land Nordafrikas ist.

Souk in ChefchaouenSo besuchten wir am folgenden Tag das wunderschöne Städtchen Chefchaouen im Rif-Gebirge. Nach 1,5 Stunden Fahrt im klimatisierten Minibus erreichten wir das zwischen zwei Bergen gelegene Städtchen mit seinen blau und weiss gekalkten Häusern.
Erträgliche Mittagshitze dank dickem MauerwerkStrassenzug in Chefchaouen


Es versprüht einen Charme, der in der mit Kieselsteinen gepflasterten Medina auf dem Platz Outa-el-Hammam gut zu spüren ist. Hier übernahm Mohammed unsere kleine Touristengruppe aus der Marina. Bald lässt sich ein herrlicher Blick über die grosse Moschee Tarik-Ben-Ziad geniessen. Das achteckige Minarett lehnt sich an das Minarett der Torre de Oro in Sevilla an. Diese andalusische Architektur ist auch in der Kasbah und ihren Gärten im Herzen der Medina wiederzufinden. Die Kinder besuchen hier im Alter von 3-6 Jahren die Koran-Schule und anschliessend die normale öffentliche Schule, wobei jedoch auch hier das Studium des Korans eine wichtige Rolle einnimmt. Noch immer herrscht in Marokko jedoch eine Analphabeten-Rate von 50%. Wirtschaftlich (z.B. Verschuldung) hingegen geht es Marokko um einiges besser als Spanien, Italien oder Griechenland.
In der Kasbah werden Stickereien und verschiedenste farbige Kleidungsstücken ausgestellt, die das Bild der Frauen in dieser Region widerspiegeln. Hier wurde die berühmte Djellaba entworfen, das lange und weite Kleidungsstück, das von den Männern und Frauen in Nordafrika getragen wird. Die freundliche Begrüssung und die grosse Gastfreundschaft der Einwohner lassen sich immer wieder während der Besichtigung einer traditionellen Ölmühle (es gibt über 1.500) oder der Werkstatt eines Kunsthandwerkers feststellen. Abgesehen von der Weberei ist Chefchaouen auch für seine Korb- und Töpferwaren bekannt.
Beim Teppichhändler - herrlicher Tee im kühlen GemäuerNach dem typisch marokkanischen Lunch (von Couscous über Kamelfleisch bis hin zum Poulet..) erfuhren wir beim Teppichhändler was es heisst, wirklich verkaufen zu können. Ein Nein gibt es hier nicht. Die Teppiche sind wahrlich atemberaubend schön. Zum Teil knüpfen die Berberfrauen bis zu 5 Jahre und länger an einem dieser Prunkstücke. Die Preise liegen auch entsprechenden Bereich (ca. 230 Euro pro m2).
Waschplatz am Rif SebbarimDie Führung zog sich bis Rif Sebbarim hin, dem Viertel der Waschplätze oder –häuser auf dem Platz, auf dem sich eine Moschee aus dem 15. Jahrhundert emporhebt. Hier vergnügte sich die Jugend im kühlen Wasser und die Frauen wuschen ihre Wäsche im Schatten, denn die Sonne brannte unerbittlich auf uns ein. Umso erstaunlicher auch wie angenehm kühl die lokalen Häuser mit ihren meter-dicken Wänden waren.

Adrian kommt auf Besuch
Am 8. Juni gingen wir unseren Freund Adrian per Taxi am Ferry-Terminal in Ceuta abholen. Da wir von Chefchaouen so begeistert waren, fuhren wir am nächsten Tag mit Adrian hin - und auch um unsere zwei neuen schönen Teppiche (handgemacht) abzuholen.
 
Punkt 6 Uhr am nächsten Tag klarierten wir aus Smir aus. Kaum waren wir ein halbe Stunde unterwegs frischte der Wind auf Bf7 auf und wir hatten eine sportliche "Am-Wind"-Fahrt bei 1.5 m Welle nach Gibraltar. Wir waren stolz auf unsere Dakini, denn sie schaffte auf diesem ungünstigen Kurs trotzdem 9.2 kn Speed-over-Ground (SOG). Als wir per UKW-Funk einen Liegeplatz im Ocean Village organisieren wollten, wurde uns mitgeteilt, dass sämtliche Marinas in Gibraltar wegen einem Oel-Unfall (Spillage) bis auf weiteres geschlossen wären. So motorten wir die letzte Meile um die Ecke ins benachbarte La Línea de la Concepción und ankerten wieder am Fusse des Rocks.
Nach einer ruhigen Nacht hiess es um 5 Uhr früh auf und Segel heissen, denn bereits in der Bucht von Gibraltar wehte ein schöner Wind mit Bf6. Kaum um den Europa-Point (Grenze Mittelmeer/Atlantik) herum frischte es auf Bf8 auf - und das Segeln wurde wieder einmal ziemlich sportlich, diesmal jedoch mit schönem Raumschott-Wind. Mit Preventer und eingebundenen Reffs surften wir die 2.5 m Wellen mit bis zu 14.2 kn SOG hinunter und erreichten nach Rekordzeit Puerto de Fuengirola. Adrian lud uns zu einem feinen Nachtessen in der Marina ein - und nach einer letzten gemeinsam genossenen Zigarre war leider sein Besuch am nächsten Morgen bereits zu Ende.
Wir segelten am 12. Juni weiter zu der schönen Marina del Este. Klein und gediegen - was sich leider auch im Preis niederschlug. Beim Preis von 82 Euro/Tag (ohne Strom und Wasser, dafür mit WIFI) mussten wir schon etwas schlucken. Also raschmöglichst Dakini von der dicken Salz- und Dreck-Kruste befreien, Wäsche waschen und nach zwei Tagen ablegen um 2 Meilen weiter östlich vor dem schönen Strand Playa San Cristobal den Anker werfen.
Erste Tat in der schönen Badebucht: Kajak aufblasen und testen. Herrlich, endlich wieder zum Einkaufen paddeln bei 36 Grad. Aber zur Belohnung anschliessend ein feines Nespresso Frappé geniessen. So genossen wir herrliche Tage mit viel Sonne und erfrischendem Meer bei 21 Grad. Als uns jedoch in der Nacht vom 19. Juni ekliger Schwell weckte deuteten wir das klar als Signal zum Aufbruch.
Nach gemütlichen 34 Meilen erreichten wir die brandneue Marina im Puerto de Adra. Vorerst hofften wir sogar, dass wir am Kopfende des grossen Stegs gratis liegen könnten (bei Westwind...) - denn wir sind das einzige Schiff in dieser Marina mit mehr als 100 Plätzen und 1'000 Möwen. Fairerweise schlossen wir noch keinen Landstrom und Wasser an - bis dann nach ein paar Stunden ein älterer Hafen-"Polizist" mit einem Formular bei uns eintrudelte. Also nix mit gratis - aber wegen 18 Euro/Tag inkl. Wasser und Strom beklagten wir uns nicht. Das Einchecken dauerte sogar für spanische Verhältnisse ziemlich lange - und bis erst noch der richtige Landstrom-Adaptor ausgewählt, resp. gebastelt war, mussten wir uns etwas in Geduld üben. Am Abend drehte der Wind auf Ost - und oh weh! Wir fühlten uns wie in einer Chemie-Fabrik: soviel Ammoniak können 1'000 Möwen in ihrem Kot freisetzen...
Um den Möwen zu entkommen entschlossen wir uns per Bus Granada zu besuchen. Nach drei Stunden Fahrt durch spanische Küstendörfchen an der Sierra Nevada vorbei erreichten wir die Hauptstadt der Provinz Granadas mit ca. 240'000 Einwohnern. Bei 34 Grad und absoluter Windstille mit entsprechender Schwüle gelangten wir per Taxi in unser hübsches Hotel Hesperia mitten in der Altstadt. Bei dieser Hitze gehen bekanntlich bloss "Mad dogs - and Englishmen" raus zum Sightseeing. Zum Glück machte selbst die Kathedrale Siesta und wir gingen zurück ins Hotel, warfen uns auf Bett und warteten bis es etwas kühler wurde. Beim zweiten Anlauf klappte es und wir waren von der schönen Kathedrale überwältigt.


Nachdem Granada im Mai 1492 erobert wurde wünschte sich Königin Isabella I. eine dem neuen Erzbistum entsprechende Kathedrale. Die Grabkapelle Capilla Real wurde
Die herrliche Kathedrale von Granadazuerst errichte und 1517 (nach Isabellas Tod) fertiggestellt. Mehrere verschieden Baumeister prägten die Architektur der Kathedrale - vorerst im gothischen und fünf Jahre später auf Renaissance-Stil umschwenkend. Die Bauzeit belief sich insgesamt auf 181 Jahre. Im Innern herrschen viel Licht und Weite. Am Ende des Hauptschiffes stehen zwei wunderbare Orgeln. Beide Orgeln wurden Mitte des 18. Jahrhunderts gebaut, wobei die Epistenorgel geteilte Register mit 43 Stimmen auf zwei Manualen und Pedal aufweist.


 
Ein feines Abendessen im Restaurant um die Ecke "unter feinstem Wasserspray zur Kühlung" vollendete den Tag. Viele Restaurants bieten diese Wasserspray-Kühlung auf ihren Terrassen an. Es funktioniert ähnlich wie eine Gartenbewässerungsanlage, nur sprühen Düsen feinsten kühlen Wassernebel in 30-Sekunden-Intervallen auf heisse Menschenhaut, anstelle auf Kürbisse.
Neben den verschiedenen weltbekannten Gitarren-Bauer ist die Alhambra Granadas Hauptattraktion. Die Beschaffung von Alhambra Eintritt-Tickets gestaltete sich jedoch als eine Herausforderung. Normale Tickets am Eingangsschalter gekauft kosten 13 Euro. Man versuchte uns dann verschiedene Variationen dieser Tickets im Vorverkauf "anzudrehen" die bis zu 50 Euro teuer waren. Man könne leider nicht garantieren, dass es am Morgen noch Tickets übrig habe. Zum Glück liessen wir uns nicht ins Bockshorn jagen und fuhren am nächsten Tag frühmorgens um 7.30 Uhr zum Haupteingang wo es noch 600 Tickets für 13 Euro zu kaufen gab. Aggressive Security Leute mit Revolver, Handschellen und Knüppel machten uns als Gäste da gar nicht willkommen fühlen. Das Weltkulturerbe Alhambra entschädigte uns jedoch für die Unannehmlichkeiten. Auf 13 Hektar präsentiert diese bedeutende Stadtburg auf dem Sabikah-Hügel von Granada die schönsten Beispiele des maurischen Stils der islamischen Kunst.
Verschiedene Nasriden-Herrscher errichteten im 13. Jahrhundert hier ihre Residenz und eine Zitalle über das Emirat von Granada. Es blühte die Kunst, die Wissenschaft und das Handwerk, das über ganz Europa als Vorbild galt. Über Zeit floss jedoch rund um diese Burg wie auch an vielen anderen Orten Andalusiens viel Blut. 1491 kapitulierte hier die letzte maurische Bastion in Spanien. Es folgte die unrühmliche Reconquista (Inquisition) der katholischen Könige resp. Kirche mit Ziel ganz Spanien unter die Herrschaft des Christentums zu bringen.

Fassaden in den Nasrid PalästenUm 8.30 Uhr war unser Zeit-Slot für den Besuch der Nasriden-Paläste. Welche Pracht erwartete uns! Stuckdecken und reich gemeisselte Fassaden wohin das Auge reichte. Ebenso wunderschön waren der Löwenbrunnen von König Carlos I. und der Alcazaba, der militärische Bereich der Burg mit dem Torre de la Vela (Wach-Turm). Zum Abschluss folgte der Spaziergang durch die herrlichen Gärten des Generalife mit den "Wasser-Treppen".

Da die Temparatur wiederum im schweisstreibenden hohen 30 Grad Bereich flimmerte, ging es am Mittag nichts wie los im Taxi zum Bus-Terminal um die Rückreise anzutreten. Während wir auf unseren Bus warteten kollabierte eine Mutter vor unseren und den Augen ihrer Kindern und musste durch die Sanität betreut werden. Die Hitze war selbst für lokale Einwohner ziemlich arg. So freuten wir uns auf die Rückkehr in unser Möwenparadies. Die nette Crew der SY Allegra, Andy und Denise, hatten gut auf Dakini aufgepasst. Nach einem letzten gemeinsamen Drink liefen wir am nächsten Tag aus um weiter gen Osten zu segeln - sprich in die Bucht von Almerimar.

Dieser Segelschlag war speziell, denn er wurde von hartnäckigem Advektionsnebel begleitet mit Sichtweiten von teilweise weniger als 100 Meter. Radar und AIS sei Dank war dies kein wirkliches Problem - eher eine unübliche Erfahrung der Stille im Nebel. In der Bucht angekommen hiess es die Wasserlinie von Dakini von Algen und anderem Zeugs zu befreien. Schönes Schwimmen und am 29.6. in die Marina de Almerimar verholen - denn die Wetterprognose drohte mit Starkwind und ziemlichem Schwell.
Sonnenuntergang an unserem Liegeplatz in der Marina de AlmerimarDie Marina, mit 45 Euro leider nicht mehr so günstig wie Adra war ziemlich leer, aber doch sehr hübsch mit allen Annehmlichkeiten wie Supermarkt, ATM, Restaurnants mit Wifi etc. Besonders als am 30. Juni bei Bf7-8 ein Einhand-Segler in seiner 50 Fuss Mono und zerissenem Gross-Segel knapp an unserem Bug vorbeikurvt sind wir froh, in der Marina zu liegen. Draussen peitscht die See ihre Wogen an die Kai-Mauern und die Kite-Surfer fühlen sich für einige Stunden im Paradies.

Hmmm...funktioniert einwandfrei!Wir traffen durch Zufall die Crew von SY Pipit, Andy und Ann (http://www.yachtpipit.com/). Unsere Kielwasser hatten sich immer wieder gekreuzt seit unserem ersten Treff im letzten Jahr in Baiona, dann wieder in Lagos, in Rio Guadiana und nun Almerimar. Auf deren Empfehlung hin kauften wir uns einen Cobb-Grill, den es alsdann galt gemeinsam einzuweihen.
Andy und Ann von SY Pipit - Cobb KennerAm amerikanischen Nationalfeiertag ging es weiter von Almerimar in die schöne Ankerbucht von Puerto Genoves. Dass wir dies bei herrlichem Raumschot-Wind Bf4-5, bei schönstem Wetter mit Welle von hinten geniessen - und dazu noch in der Bucht ohne Schwell ankern konnten, machten diesen Tag perfekt.

Eintauchen in den Advektionsnebel auf dem Schlag nach AguilasWieder einmal begleitete uns ein dichter Advektionsnebel am 5.7. unser Anker-Auf-Manöver und leider auch den ganzen Morgen auf dem Weg nach Aguilas. Sichtweite teilweise bloss 50-100m. Zum Glück machten HD Radar und AIS die Navigation einiges leichter, aber selbst so konnte es zu unerwarteten Adrenalin-Schüben kommen. Auf Radar und AIS war in extremer Küstennähe bei Punto de Loma Pelada zwischen uns und dem Land ein Tug mit 5 kn auf Parallel-Kurs uns entgegekommend mit 0,5 nm Abstand (CPA) gut erkennbar. Etwas überraschend war, wie rasch der Tug dann den Kurs änderte um relativ dicht hinter unserem Heck unser Kielwasser zu kreuzen. Denn plötzlich tauchte im dichten Nebel keine 300 Meter an unserer Backbordseite ein 30-40 Meter hohes Ungetüm mit gelben Kranen auf. Erst dachten wir, hoppla - sind wir dem Ufer soo nahe...was gemäss Plotter und Echolot jedoch unmöglich war. Aber nein, es handelte sich um irgendein Schleppgut (Plattform oder ähnlich) das der Tug hinter sich schleppte und wir auf dem Radar wegen der Ufernähe fälschlicherweise als Land identifiziert hatten. Sicherheitshalber brachten wir noch mehr Seeraum zwischen uns und die beiden. Kaum hatte sich der Herzschlag etwas normalisiert entdeckten wir auf unserer achtern Steuerbordseite noch einen ziemlich grossen weissen Fischkutter (ohne AIS Transmitter), den wir auch per Radar nicht sauber orten konnten (unser Radar ist nach vorne optimiert). Wir änderten Kurs und erhöhten dadurch den Abstand zur Küste und damit auch die Reisedistanz nach Aguilas. Hinter uns folgte im dichten Nebel Pipit, die leider unsere Funkwarnung nicht entgegen nahm da die Crew sich an Deck befand und mit Sperberaugen in die Milchsuppe spähten. Sie folgten jedoch unserem AIS-Signal und konnten so rechtzeitig dem Geister-Tug ausweichen, indem sie unsere Manöver kopierten.

Blick über die Cala Bardina bei Aguilas im Ferienhaus von Peter und Marita
Wir freuten uns auf das Wiedersehen mit Peter und Marita, das am Abend in der Cala Bardina vor Aguilas erfolgen sollte. Die beiden haben ein schönes Ferienhaus in Aguilas und hatten uns zum Abendessen eingeladen. So warm wie in ihrem Swimming Pool hatten wir bis jetzt noch nicht gebadet (32 Grad). Meist war die Meerestemperatur zwischen 19 und 24 Grad) - also schön erfrischend. Leider war der Schwell in der Bucht am Ankerplatz so unangenehm, dass wir bereits bei Sonnenaufgang am nächsten Tag den Anker lichten mussten, um nach einer schlaflosen Nacht die letzten paar Meilen nach Cartagena in Angriff zu nehmen.
Am 6. Juli erreichten wir den Yacht Port Cartagena in dem wir einen guten Liegeplatz gleich gegenüber dem Kreuzfahrtschiff AIDA ergattern konnten. Es folgten die üblichen Aufräumarbeiten um Dakini auf ein paar Wochen "Ferien" vorzubereiten.

Vier Nationonen-Treffen: Alessandra und Mama  (Brasil), Axel (D) und Helen (CH/UK)Als freudige Überraschung erhielten wir Besuch von Axel, Alessandra und ihrer Mutter (aus Brasilien). Die drei verbrachten ein paar Ferientage in Calpe (nördlich von Alicante). Im Beiboot machten wir einen kleinen, aber spritzigen (Meerwasser-Gischt) Ausflug in die nahe Bucht der Playa Cortina zum Schwimmen. Echt schweizerische Kletterkünste waren notwendig um über die Felsen der Bucht an den überfüllten Strand zu gelangen. Nach einem feinen Schweinebraten vom neuen Cobb-Grill schlug das Männer-Dream-Team wieder einmal erbarmungslos beim Brändi-Dog zu.

Peter und Marita auf Besuch in Cartagena
Am folgenden Tag besuchten uns Peter und Marita am Steg, da ein solcher Besuch in der schwelligen Bucht von Aguilas nicht sinnvoll gewesen wäre.

Hochbetrieb am 11. Juli im Hafen von Cartagena. Ein Flottenverband der Indischen Marine lief ein und lag keine 300 Meter von uns entfernt am Pier. Unter den Kriegsschiffen befanden sich INS Mumbai (Guided Missile Destroyer), die INS Gomati (Guided Missile Fregate) und die INS Aditya (Replenishment & Repair). Kaum legte die Aditya an lief bereits die "Wind Surf" - Schwesterschiff der schönen "Club Med 2" mit ihren 5 computer-gesteuerten Segel und rund 300 Gästen in den Hafen ein. Die Club Med weckte schöne Erinnerungen beim Skipper, der mit ihr durch einen damaligen Arbeitgeber ein paar Tage in Cannes auf Kreuzfahrt ging.
Und bereits wieder war es an der Zeit, den Flug in die Schweiz anzutreten. Bereits am frühen Morgen stiegen die Temparaturen auf schwüle 28 Grad und so leisteten wir uns ein Taxi zum Bus-Terminal von Cartagena. Am 13. Juli landeten wir minutengenau mit AirBerlin in Zürich wo uns unsere Tochter Alexandra mit ihrem heissen Cabriolet abholte.
Nun freuen wir uns auf ein paar Wochen Ferien in den kühlen Schweizer Bergen und werden die Zeit mit Freunden und Familie geniessen!

Am Hafenquai von Cartagena

Freitag, 1. Juni 2012

Von El Rompido nach Gibraltar (2012)


Helen will add her comments here (in english language) at a later stage, as she is still very busy with her professional life and will need some time to catch up.

Am 9.5. hiess es Ablegen vom schönen El Rompido bereits um 7h00. Bei Sonnenaufgang passierten wir die bösartigen Sandbänke um die das Meer brodelte. Leider war der Wind ziemlich ungünstig - nämlich auf die Nase. Also Motorsegeln wir 62nm nach Puerto Sherry. Um 19 Uhr Abends fiel der Anker vor zwei schönen Badestränden - und bei Bf6 aus Südost. Über Nacht steigerte sich der Wind dann bis auf Bf8 ... und so ging das zwei Tage lang. Wiederum war unser Rocna der Star der Veranstaltung und hielt unsere Dakini eisern auf dem sandigen Untergrund.
Am dritten Tag konnten wir dann unser Schiff beruhigt für einen Landausflug nach Puerto de Santa María verlassen. Die Einheimischen bezeichnen den Ort meist lediglich als „El Puerto“. El Puerto liegt an der Mündung des Rio Guadalete (Bucht von Cádiz). Die Stadt bildet das südliche Ende des „Sherry-Dreiecks“.
Viele Einwohner Sevillas und Madrids  verbringen aufgrund des frischeren Küstenklimas ihre Sommerurlaube hier. In der Stadt befinden sich viele der Sherry-Bodegas (u. a. 501, Terry, Osborne) sowie viele „Freidurias“ und „Cocederos“, in denen Meeresfrüchte frittiert und gekocht zum Direktverzehr angeboten werden. Die Stadt war Ausgangspunkt der zweiten Amerikaexpedition von Christoph Kolumbus.
Der Rokoko-Palast "Palacio de Villarreal y Purullena"Leider war der Rokoko-Palast "Palacio de Villarreal y Purullena" aus dem 18. Jahrhundert für Besucher geschlossen. Aber auch von aussen ein sehr imposantes Gebäude. Im Münster "Iglesia Mayor Prioral" feierten junge Mädchen ihre erste Kommunion mit viel Familienfreude und Gelächter. Ein kurzer Einkauf bei Aldi und dann Ice-Cream auf dem Camping Platz vor Ort rundeten die rund 8km lange Wanderung in 34 Grad Hitze ab.
Nun hiess es natürlich das wunderschöne Cádiz zu erforschen. Per Dingi gings ein paar Kilometer rauf zum "Real Club Náutico" wo wir es für den Tag zurücklassen konnten. Die Fähre von El Puerto nach Cádiz wartete auf uns und für EUR 2.45 pro Person und Fahrt schossen wir mit 18 Knoten innert einer halben Stunde zu unserem Ziel.


Wie üblich war unsere erste Anlaufstelle das Tourist Office. Ausgerüstet mit Karten und Werbematerial gings dann auf, bei rekordverdächtigen 38 Grad Hitze, dem purpurnen Streifen entlang "Shippers to the Indies" zu entdecken. Je nach Geschmack kann sich der Besucher für eine Route "Grün" (Mittelalterliche Geschichte), "Orange" (Schlösser und Bastione), Blau (Cádiz Konstitution) oder eben Purpur entscheiden. Schon der erste Eindruck dieser ältesten Stadt Westeuropas (3'000 Jahre Geschichte) war atemberaubend. Aber nicht nur Kulturgeschichte prägt diese schöne Stadt. Es war am "Baluarte de La Candelaria" dem Badestrand beim alten Badehaus wo hier, nicht in Havanna, Halle Berry in James Bond - „Stirb an einem anderen Tag“ aus dem Wasser stieg! Einige der Höhepunkte unserer Stadtbesichtigung über zwei Tage hinweg:


Erster Eindruck der herrlichen Stadt Cádiz
Die Kathedrale (Catedral) aus dem 18. Jahrhundert - in der Krypta das Grab des Komponisten Manuel de Falla. Einen der beiden Türme (Torre Poniente) haben wir bestiegen und die herrliche Rundsicht genossen. Die Plaza España, in der das Monument an die Cortes (Ständeversammlung) und die Verfassung von 1812 (am 19. März feierte Cádiz den 200. Geburtstag der Konstitution/"La pepa") erinnert. Spanien erliess seine Verfassung kurz nach den Vereinigten Staaten (1787) und Frankreich (1791). Diese war eine der liberalsten der Welt, trat aber nur dreimal kurz in Kraft, in den Jahren 1812, 1820 und 1836. Die Schweiz folgte dann ja bekanntlich 1848 mit einer ebenfalls sehr modernen Verfassung in der auch Frankreich (Napoleon) nicht ganz unbeteiligt war.
So schön ist CadízDer Torre Tavira mit der Camera Obscura hatte uns begeistert. Marcel erklomm die 173 Stufen während Helen sich der eMail widmete. Die Camera Obscura erlaubt einen "Real-Time" 360 Grad Rundblick auf die Stadt. Mittels Linsen und einem Spiegel wird eine Projektion der Aussenwelt auf eine runde scheibenartige Projektionsfläche geworfen. Durch Anheben und Absenken der Projektionsfläche lässt sich der Fokus/Zoom verändern. Dadurch kann der Stadtrundgang gemütlich im abgedunkelten Turm-Raum mit Klimaanlage bewältigt werden...
Aber schon ging es weiter zu den Kastellen San Sebastian und Santa Catalina. Da erwartete uns verschiedene Kunstaustellungen (Goya/Picasso zum Thema "Stierkampf" - das hier noch immer sehr Ernst genommen wird). Interessant und auch humorvoll war die Fotoaustellung eines Brasilianischen Fotografen/Pianisten der über 30 Jahre lang Menschen beim betrachten von Gemälden im Louvre festhielt.
So liesse sich noch viel über Cádiz erzählen. Aber wir mussten wieder zurück zu Dakini. Im Hafenbecken wartete nicht bloss unsere Fähre, sondern auch die "Queen Elizabeth", die "Rotterdam" und ein weiteres grossen Kreuzfahrtschiff aus Nassau. Dies erklärte dann auch ziemlich schnell die grössere Anzahl englischer und holländischer Touristen in der Altstadt von Cádiz.


Am 9. Mai hiess es um 5 Uhr Anker-auf damit wir genügend Zeitreserven hatten um im Lee von Tarifa in der Strasse von Gibraltar zu ankern. Die ersten frühen Morgenstunden waren ziemlich mühsam - Wind auf die Nase und eklige, unvorgesehene Kreuzseen. Zum Glück hielt sich enigstens der Wind an die Wetterprognose und frischte auf - aus der richtigen Richtung. Also nichts wie das "eiserne" Segel ausschalten - und die weissen Segel heissen. Tolle Rauschefahrt am Cabo Trafalgar vorbei mit mehr als 9 Knoten. Kurz an Lord Nelson denken, der hier am 21. Oktober 1805 die zahlenmässig überlegene Flotte der Franzosen und Spanier an Bord seiner "HMS Victory" besiegte. Leider wurde er von der Kugel eines französischen Schützen getroffen, welcher von einem Mast der "Redoutable" aus geschossen hatte. Nelson starb noch am selben Tag, nachdem ihm der überwältigende Sieg über die gegnerische Flotte gemeldet wurde. Die vernichtende Niederlage der napoleonischen Flotte führte dazu, dass Frankreich als Seemacht ausgeschaltet wurde, und sicherte die Vormachtstellung Grossbritanniens auf den Weltmeeren. Die Leiche Nelsons wurde (konserviert in einem mit Brandy gefüllten Fass) nach London überführt, wo er in der Saint Paul's Cathedral beigesetzt wurde.


Kurz vor Tarifa wollten wir die Maschinen starten um das Ankermanöver einzuleiten. Oh là là! Die Steuerbord-Maschine will einfach nicht anspringen, trotz liebevollem und weniger liebevollem Einflüstern. Nicht einmal der Startermotor ist hörbar. Also Plan B aktivieren und direkt zum geschützten Ankerplatz vor der Marina Alcaidesa (La Linea) in der Bucht von Gibraltar weitersegeln. Glücklicherweise haben wir die Lagoon-übliche Ankerwinsch-Sicherung in Lagos "umgekabelt", so dass wir auch ohne die wichtige Steuerbordmaschine die Ankerwinsch bedienen können.


Dakini vor "The Rock" von GibraltarAm frühen Abend können wir uns dann hinter der Quay-Mauer entspannen, obwohl der Wind immer ruppiger wird. Das Marina Personal hatte für unser Motorenproblem kein Gehör und untersagte uns mit dem Dingi an einem der vielen leeren Liegeplätze festzumachen. Also wetterten wir drei Tage stürmische Winde (bis Bf 8) am Anker auf Dakini ab. Die herrliche Aussicht auf "The Rock" entschädigte uns während dieser Wartezeit.
Am 22. Mai verholten wir uns mit Hilfe der Backbord Maschine, viel Planung und trotzdem reichlich Adrealin-Schüben in die Marina Bay von Gibraltar. Wir machten an den alten Hafenmole "römisch-katholisch" mit Mooringline fest. Kevin von Marine Maintenance lokalisierte unser Motoren-Start-Problem nach drei Stunden stirnerunzeln, Instrumentenpanele umstecken etc. in einem losen Kabel im Kabelstrang der zum Startermotor führt. Nun weiss der Skipper sogar wie man die Yanmar Maschinen "kurzschliessen" kann, sollte mit dem Instrumentenpanel mal was nicht stimmen..
Nach der Arbeit - der Apéro bei SonnenuntergangEs folgten arbeitsame Tage am Steg in der Marina: Vom Schiff waschen und säubern (intern: Pink Job = Helen, extern: Blue Job = Marcel - wobei diese Definitionen nicht allzu ernst genommen werden), Shopping (von zusätzlichen Docking-Leinen mit Federn gegen den Schwell bis hin zur kleinen Tauchflasche und Bleigurt damit künftige Ankerprobleme auch in grösseren Tiefen behoben werden können).
Und natürlich kam der kulturelle Teil nicht zu kurz. Denn Gibraltar verfügt über eine reichhaltige ( nicht nur maritime) Geschichte, die eindrücklich im Gibraltar Museum dargestellt wird.
Auf unserem Spaziergang durch die Main Street liessen wir uns zu einer Taxi-Sightseeing Tour überreden und fuhren gemütlich Richtung "Pillars of Hercules" im Süden der Stadt. Hier soll Hercules den afrikanischen/europäischen Kontinent getrennt haben. Dass an dieser Stelle die beiden Kontinente einmal zusammengewachsen waren ist eine geologische Tatsache.


Exotische Untergrund-KonzerthalleInmitten einer gefrässigen Gruppe schwanzloser Affen, die ursprünglich aus dem marokkanischen Atlas-Gebirge stammen sollen, machten wir uns auf den Weg zu den St. Michael's Caves. Eine riesige, wunderschöne Tropfsteinhöhle erwartete uns. Diese Höhle, die im zweiten Weltkrieg zum Spital umfunktioniert wurde, dient heute als exotische "Konzerthalle" für z.B. klassische Musik mit einer unglaublichen Akustik.
So wurde in der "Great Siege" 1779-83 von oben nach unten gefeuertWeiter oben in "The Rock" an dessen Nordseite drangen wir in die "The Great Siege Tunnels" vor. Diese wurden während der grossen Belagerung durch Spanien (1779-83) von den Royal Engineers in den Fels gehauen - und ständig weiter ausgebaut. Vor allem dann im 2. Weltkrieg wurden die Tunnels auf den heutigen Stand gebracht.
In der Open-Air-Ausstellung "Gibraltar, A City under Siege" bestaunten wir die ersten Gebäude von Gibraltar - inklusive Grafitti aus dem Jahr 1726. Ebenfalls sehr eindrücklich war das Moorish Castle als letzte Verteidigungslinie der Bevölkerung von Gibraltar im Falle einer Attacke - und davon gab es zahlreiche!


Eindrücklich war auch das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen zu beobachten. Mit rund 30'000 Einwohnern ist Gibraltar eines der am dichtesten besiedelten Gebiet der Welt (4'462 Einwohner pro km2). Es leben hier Christen, Juden, Muslime friedlich neben- und miteinander. Kaiane Aldorino wurde zur Miss Gibraltar 2009 erkoren - und gleich nach ihrem Sieg zur Miss World 2009.


Einzig die "Sticheleien" zwischen Gibraltar und Spanien erinnern an die vielen Auseinandersetzungen in dieser Region über die Jahrhunderte hinweg. Sei es eine "Konferenz gegen den Stierkampf" in Gibraltar (Mai 2012), oder die Demonstration spanischer Fischer gegen das Fischnetz-Verbot in der Fischereizone von Gibraltar (Mai 2012) - es ist ungewiss was die Zukunft hier noch alles bringen wird. Wir hoffen, dass die Festlichkeiten zum 60-jährigen Thron-Jubiläum der Königin Elizabeth hier trotz Abwesenheit der spanischen Königsfamilie zum vollen Erfolg wird.


Abendstimmung in der MarinaEs wurde nun Zeit für den Abschied aus Gibraltar - und neue Abenteuer im Norden Afrikas (Ceuta) und Marokko erwarten uns bevor wir uns definitiv auf den Weg nach Cartagena machen.




Link zum Picasa Photo-Album:
https://picasaweb.google.com/113775842201437177186/ElRompidoNachGibraltar?authuser=0&authkey=Gv1sRgCOWsjq7zh7fQ9wE&feat=directlink
 
Helen will add her comments here (in english language) at a later stage, as she is still very busy with her professional life and will need some time to catch up.

Dienstag, 8. Mai 2012

Von Lagos nach El Rompido (2012)

 
Helen will add her comments here (in english language) at a later stage, as she is still very busy with her professional life and will need some time to catch up.


Nach LANGER Winterpause flogen wir am 14. März 2012 zurück in die Algarve um Dakini aus dem Winterschlaf zu wecken. Sooo viel zu tun! Zum Glück hatten sich Chris und Sue von NIMROD (http://www.nimrodsailing.blogspot.com/) vom Pier gegenüber gut um unser Zuhause gekümmert. So war alles heil, gut gelüftet und wartete auf fleissige Hände. Aber vorerst feierten wir Helen’s Geburtstag mit Chris und Sue. Dann musste die Gangway gebastelt werden (aus Alu-Leiter und Sperrholzplatte), Genua anschlagen, Bimini wieder installieren, Bezüge für Leder-Sitz-Gruppe im Salon nähen lassen, Proviant bunkern, Wassermacher in Betrieb nehmen, neuer Preventer organsieren und installieren, elektronischer Anker-Ketten-Zähler installieren etc.

Am 2. April ging es los - in die Werft in Portimão. Dort wurde Dakini mittels einem 300-Tonnen Travellift problemlos vom nassen aufs trockene Element gehievt.
Zurück gehts ins natürliche Element...dem MeerSopromar führte den Oelwechsel für den Saildrive, den doppelten Anti-Fouling Anstrich, das Ersetzen der drei Anoden sowie das Spritzen der Saildrives und der Alu-Props durch. Helen und ich polierten unsere Dakini auf Teufel komm raus.. Mensch, haben wir ein grosses Schiff! Gelcoat, Chrom, Teak - alles muss gepflegt sein! Hundemüde und mit einem hübschen Muskelkater versehen freuten wir uns auf die Einwasserung drei Tage später - und die kurze Rückreise zur Marina de Lagos.
Es erfolgten die letzten Vorbereitungen für unser Auslaufen am 10. April. Dazu gehörten natürlich ein paar "Fare-Well-Parties" - wobei die für uns schönste am 9. April natürlich an Bord von Dakini stattfand. Geplant war eigentlich ein musikalischer Abschied am Nachmittag - wobei es dann doch einiges nach Mitternacht wurde.

The Dakini Choir13 Mitsegler (von http://www.nimrodsailing.blogspot.com/, http://www.yachtcouple.com, http://sailblogs.com/member/scrabbler/?xjMsgID=217922, http://www.syfuga.co.uk/, sangen und tanzten zu verschiedensten Songs der Dakini-Band und Chor. Die Yamaha Karaoke Funktion des Onbord-Keyboards hat sich bestens bewährt. Ein wunderschöner Abschied!
Endlich war es soweit: Zusammen mit Nimrod liefen wir am 10. April aus um nach einem schönen Einsegeln in der Bucht von Portimão zu ankern. (Beinahe) alle Systeme sind operativ und funktionieren! Sogar der Wassermacher ist nun dicht und verliert kein Wasser mehr in die Bilge.
Am nächsten Tag ging es weiter in das Naturschutzgebiet von Culatra, in der Nähe von Faro. Unterwegs mussten wir leider feststellen, dass wir den Roll-Genaker nicht mehr ausrollen konnten. So schade, wäre ein ein schönes Segeln gewesen. Egal, den Genaker machen wir bei der nächsten Flaute klar.

Natur pur in Culatra - mit VIEL WindIn Culatra erwarteten uns dafür kilometerlange einsame Sandstrände und - viel Wind. Der Besuch des kleinen Ortes Ponte Cais war sehr eindrücklich. Der Unterschied der Lebensumstände der Einwohner im Vergleich zu den "Normalo-Schweizern" ist schon frappant! Die Wanderung durch die Sanddünen und den traumhaften Strand bis hinaus zu den trocken-gefallenen Überwinterern haben wir sehr genossen. An unserem Ankerplatz bei Ponte Cais waren wir dem kalten Starkwind aus Nordwest gnadenlos ausgeliefert - ebenso dem unangenehmen Schwell. So beschlossen wir bereits am nächsten Tag nach Tavira weiterzusegeln.

Tavira empfing uns mit Sonnenschein und immer noch Starkwind aus Nordwest. Zum Glück flaute der Wind gegen Abend ab, so dass wir einen wunderschönen Abend an Bord mit Sonnenuntergang und exotischen Vogelstimmen geniessen konnten. In den nächsten paar Tagen erforschten wir die Umgebung von Tavira, übten uns im Neu-Ankern, da der Ankerplatz sehr anspruchsvoll (VIEL Strom und flach) war.

The "Navigators de Lagos" auf dem Tavira CastelloDas Städtchen Tavira beeindruckte uns durch eine alte Brücke, die sogar römischen Ursprungs sein soll. Auch gibt es da die einzigen griechischen Gravuren in Portugal. Die Frauen von Nimrod, Awake und Dakini machten eine Shopping Expedition im grossen Pingu Doce-Shopping Center während die Herren der Schöpfung auf dem Dorfplatz beteten, dass die Kreditkarten diesen Belastungen gewachsen sind...

So ging es am 17. April vollgebunkert weiter in den schönen Grenzfluss Rio Guadiana, der Portugal von Spanien trennt. Der verwegene Segler kann bis unterhalb des mittelalterlichen Städtchens Mértola vordringen - sofern er allen Sandbänken, Untiefen, Lastwagen und Fischernetzen ausweichen kann. Die erste Nacht verbrachten wir so wie üblich dem Starkwind ausgeliefert am Anker vor Ayamonte. An dieser Stelle vielleicht einmal ein kleiner Lobgesang unserem 25 kg Rocna Anker mit 75m 10mm Kette und 40m Trosse - er hat uns noch nie in Verlegenheit gebracht! Zum Glück verursachte der Nordwind keinen Schwell, so dass wir am nächsten Tag die Herausforderung annahmen und die ca. 30 Seemeilen rauf bis vor Mértola (Van do Areia) tuckerten.

Brückenhöhe 21-23 m (bei Ebbe), Masthöhe 20.5 m (immer)... es hat gereicht..Der erste Adrenalin-Stoss erfolgte schon bald, denn wir mussten unter der International Bridge hindurch. Bei Ebbe soll sie 21-23 Meter Durchfahr-Höhe bieten. Unser Mast mit UKW-Antenne und aktivem Radar-Reflektor kommt auf ca. 20.5 Meter.. es war spannend, hat jedoch problemlos geklappt.



Der Fluss windet sich durch eine schöne Naturlandschaft mit vielen verschiedenen Vogelarten. Erkennen konnten wir Laien viele Störche, die in dieser Gegend häufig vorkommen. Je weiter nördlich wir vorstiessen, desto mehr Navigations-Instruktionen mussten wir befolgen.. denn da gibt es einiges an Geröll, Felsbrocken und Sandbänken..bis hin zu versunkenen Lastwagen im Flussbett. Zum ersten Mal testeten wir unseren "Forward Looking Sonar". Dieses ermöglicht es bis auf ca. 20-30 Meter im Voraus die Beschaffung und Tiefe des Meeresgrundes zu erkennen. Funktionierte tadellos! Nimrod schrammte einen Unterwasser-Felsbrocken, was jedoch ihren stahlbeschlagenen Kielen keinen grossen Eindruck machte. Endlich fiel um 16.30 Uhr der Anker ins Flussbett - aber hoppla: da gab es einen hübschen Strom (>2 Knoten) der natürlich gegen Wind stand und uns das Anbringen einer Landleine abnötigte. Im Dingi also im verwilderten Flussbett einen Baum oder einen Busch suchen um die Leine zu befestigen.

Morgenstimmung vor der Rückreise nach PomarãoNach zwei Versuchen hat aber auch das geklappt. Nun lagen wir wie in Abrahams Schoss und bereit für das kommende Abenteuer - die Erforschung von Mértola. Aber vorerst gab es auf Nimrod ein tolles Dinner - Chicken an einer Rahm-Port-Sauce mit Kartoffel-Stock, Erbsli und Rüebli - hmm! Zum Dessert dann das mittlerweile berüchtigte Brändi-Dog Spiel. Das Dream-Team Chris/Marcel hatte die Nase vorn..

Da die Tiden-Zeiten sehr ungünstig waren mussten wir - nach einem Neu-Ankermanöver (um dem Trockenfallen zu entkommen) bei Ebbe mit unserem Dingi aufbrechen. Sue, Helen und Chris als "Look-Out" stocherten mit Paddel um die Fahrtiefe zu ermitteln während Marcel versuchte nicht gerade jeden Felsbrocken im Flussbett zu treffen. Damit es nicht zu gemütlich wurde, kam zum kalten Nordwind noch etwas Regen hinzu - was aber unserer guten Stimmung keinerlei Abbruch tat. Für die ca. 4 km brauchten wir mehr als 90 Minuten - auf dem Rückweg waren es dann noch gerade eine gute Viertelstunde (Honda 20 PS sei Dank).

Erster Eindruck von Mértola - WOW!Aber Mértola war alle Mühen wert! Was für ein schönes Städtchen - mit Stadtmauer, Schloss, Kirche und romantischen engen Gässlein. Das feine Mittagessen im lokalen Restaurant entschädigte uns für unser Abstrampeln.


 
Am 20. April tuckerten wir bei Hochwasser und einsetzender Ebbe zurück nach Pomarão. Ein interessanter Ort, denn vor 150 Jahren noch wurde hier noch eifrig nach Eisenerz geschürft. Das Erz ging per Frachtschiff auf dem Rio Guadiana in den Atlantik und von dort zu den Kunden. Erstaunlich wie gross diese Frachtschiffe waren. Entweder war der Fluss damals noch viel tiefer, oder die Schiffe hatten extrem wenig Tiefgang - oder aber die Navigatoren kannten ihr Handwerk um einiges besser als wir...

Einen Tag später liessen wir uns von der Ebbe und unserer Genua gemütlich gen Alcoutim treiben. Bei dem Starkwind brachten wir es dabei locker auf 5-6 Knoten SOG. Einzig das ständige Halsen war etwas mühsam. Alcoutim überraschte uns mit einem gutem Steg und brauchbarem WIFI. Auch der Ort selbst war zwar klein - aber ganz gemütlich. Die wenigen Restaurants servierten gutes Essen zu extrem günstigen Preisen (Mittagessen mit Salat und Wein für 15 EUR für ZWEI Personen!).

Sanlúcar de Guadiana (gegenüber von Alcoutim)
Obwohl im Pilot-Guide das gegenüber liegende Sanlùcar de Guadiana viel positiver umschrieben wurde, war dort trotz Biker-Party eigentlich nichts los. Das einzig offene Restaurant verbannte uns mürrisch zugunsten der Biker.. was solls. Zurück nach Portugal.



Es folgte am 23. April ein kleines Anker-Chaos, denn bei Nimrod hielt der Anker im gewünschten Guerreiros do Rio nicht (trotz Heck-Anker) und wir liessen uns in der Ebbe weiter nach Foz de Odeleite treiben. Da verbrachten wir eine traumhaft ruhige Nacht im Fluss und erwachten in der Früh zum Vogel-Gezwitscher.

An dieser Stelle sei offiziell festgehalten, dass die Küche auf Dakini (Chef de Cuisine: Helen) ganz hervorragend ist (Chef de Abwaschen/Abtrocknen: Marcel). Es verging kein Tag ohne irgendwelche kulinarischen Genüsse auf unserem schönen Schiff. Aber das abschliessend zu beurteilen sei unseren Gästen vorbehalten!

Oh je, am 24. April war unser Guadiana Abenteuer bereits zu Ende. Ohne viel Adrenalin liessen wir uns unter der International Bridge hindurchtreiben - kostete uns nun bloss noch ein müdes Lächeln. Der wiederum sehr starke Nordwestwind vor Ayamonte hingegen liess unser Lächeln jedoch im Nu verschwinden. Sooo mühsam! Unser Anker hielt zwar gut, aber bei diesem Wind, der bald auf Südwest drehen würde könnten wir richtig schönen Schwell in der Einfahrt Ayamonte erwarten. Also nichts wie weg von Ayamonte - und weiter am selben Nachmittag gen "El Rompido" zu. Um 17 Uhr erreichten wir die Einfahrt und waren beeindruckt von der Fahrlinien-Führung der Bojen. Diese führte uns zwischen bösartigen Sandbänken (trotz Hochwasser) sicher hindurch.

Unsere schöne Marina in El Rompido (Dakini erster Kat von links)Ein kleines Juwel erwartete uns - trotz dem üblichen kalten starken Nordwind (hört der denn NIE auf??). Hier herrschte noch klar Vor-Vor-Saison-Stimmung und die Marina Preise lagen bei 17 EUR pro Nacht inklusive Wasser, Strom und WIFI. Nach einer Nacht am Anker beschlossen wir in diese schnuggelige Marina zu gehen.


Leider mussten wir uns dann von NIMROD verabschieden. Aber das gehört eben zum Segeln - man muss auch wieder Abschied nehmen können - und sich auf ein mögliches Wiedersehen freuen.

Da ein Mietwagen (FIAT Panda) uns bloss EUR 58 für drei Tage kostete, konnten wir in Andalusien etwas Huelva, Ayamonte und Vila Real de Santo António in Portugal erforschen. Leider war bloss Ayamonte dem touristischem Auge einigermassen zugetan. Huelva und Vila Real enttäuschten uns etwas. Leider war das Wetter etwas sub-optimal, denn in der Nähe von Vila Real gäbe es das hübsche Castro Marim (ein Ort mit viel Geschichte) zu sehen. Aber das Wetter vermieste uns diesen Genuss, so fuhren wir eben wieder über die International Bridge nach El Rompido zurück. Nochmals etwas Shopping - bis hin zum Füllen des Dingi-Tanks... und dann der Entscheid, dass wir wetterbedingt noch ein paar Tage in El Rompido bleiben.


Der Weg ist das ZielEs folgten schöne Ausflüge ins Naturschutz Reservat gegenüber der Marina - wo wir am Strand unseren ersten deftigen Sonnenbrand der Saison holten (der kalte Wind lässt uns die Sonnenwirkung gnadenlos unterschätzen). Marcel's Geburtstag war wiederum geprägt vom launischen Wetter - um 4 Uhr morgens Dingi in Sturm-Position bringen (Schräglage von ca. 30 Grad mit offenem Bodenventil, damit das Wasser ablaufen kann).. dann im warmen kuscheligen Bett etwas Schlaf nachholen. Feines Mittagessen im Dorf - jedoch zu EUR 52 für zwei Personen - ist eben nicht mehr Portugal - seufz. Dabei klarte sich das Wetter soweit auf, dass sogar eine Geburtstagszigarre im Windschatten achtern drin lag.

Wetter und Tide erlaubten uns die Marina erst Mitte Woche zu verlassen - also noch ein paar Tage Zeit um Sevilla unsicher zu machen.
Nach kurzem Sonntag-Morgen-Frühstück ging es los in die wunderschöne Hauptstadt Andalusiens. Eine gute Autobahn führte uns direkt in die Stadt. GPS-sei-Dank fanden wir unser Hotel mitten in der Altstadt ohne grossen Probleme. Die Strassen sind in der Altstadt extrem schmal und bieten stellenweise bloss ca. 2 - 2.5 m Strassenbreite. Parking im Hotel war nur via Auto-Lift zugängig - aber das Hotelzimmer war sehr hübsch, im Parterre innerhalb des typisch andalusischen "Garten-Hofes". Wie froh sind wir, unseren Sevilla Ausflug in dieser Jahreszeit zu machen, denn die Temparatur steigt Nachmittags bereits auf 27°C und mehr. Im Juli/August wäre es über 40 Grad!


Hier traf sich das Umso angenehmer empfanden wir die Kühle der berühmten Kathedrale von Sevilla. Es handelt sich um die grösste gotische Kirche der Welt. Für uns Segler sehr interessant sind hier die sterblichen Überreste von Christoph Kolumbus, die in der Kathedrale aufgebahrt sind.
Atemberaubende Architektur mit phantastischen Kunstwerken und Gold-/Silber-schätzen - es ist unmöglich sich hier einen Geldwert nur vorzustellen. Nach so viel katholischem Reichtum und Prunk war dann der Abend doppelt genüsslich.

Ein herrlicher Abend voller andalusischem TempramentIn einem einfachen, kleinen Lokal (http://www.tablaolosgallos.com/) genossen wir andalusischen Flamenco pur! Sehr empfehlenswert. Todmüde ging es zu Fuss durch die schöne Altstadt zurück ins Hotel.
Am nächsten Morgen genossen wir einen frisch gepressten andalusischen Orangensaft, Cappuccino und Croissant im Strassenkaffee vor der Kathedrale.

Frisch gestärkt ging es anschliessend zum "Reales Alcázares de Sevilla", dem historischen Königspalast aus dem Mittelalter. Und was für ein Palast das ist! In einer alten Demokratie, wie derjenigen der Schweiz, sind solche Gebäude nicht anzutreffen. Weitläufige gepflegte Gärten machen die Sommerhitze erträglich.
Der Badepool der Mätresse des KönigsDer unterirdische Pool erfrischte des Königs (Peter der Grausame) Mätresse (María Díaz de Padilla) während die Bediensteten die dutzenden von prunkvollen Räumen auf Vordermann hielten. Die Architektur und der Prunk des Palasts wurde bewusst so gewählt, dass Gäste unweigerlich davon überwältigt wurden - auch wir gehörten dazu!


La Virgen de los Navegantes (Die Jungfrau der Seefahrer - Schutzpatronin)Das Gemälde "La Virgen de los Navegantes" (Jungfrau der Seefahrer - als Schutzpatronin) hängt neben dem Raum in dem Ferdinand Magellan im 15th Jahrhundert seine Reise in den Pazifik geplant hatte. Da werden wir heutigen Raymarine-Piloten mit unseren Plottern, AIS, Radar etc. schon ganz schön klein dabei.





Zum Abschluss unseres Besuches in Sevilla marschierten wir in wiederum heissen 29°C zur Plaza de España.
Die Plaza de EspañaSie ist einer der bekanntesten Plätze in Sevilla. Als Sevilla 1929 die Iberoamerikanische Ausstellung veranstaltete, wurden viele Gebäude für die Ausstellung im Maria Luisa Park errichtet, unter diesen die Plaza de España von Aníbal González (der ebenfalls leitender Architekt der Gesamtveranstaltung war). Wiederum unglaublich schöne Architektur, Decken-Schnitzereien, Mosaike etc.

Nach so viel Kultur hatten wir uns ein leckeres Eis auf dem Rückweg wohlverdient.

Damit kommt dieser erste Reiseabschnitt 2012 zum Ende und der nächste Abschnitt nach Gibraltar - and beyond - beginnt.

Hi-Lights waren für uns der Besuch von Sevilla, die hübsche (und günstige) Marina El Rompido, der Besuch im Rio Guadiana und die herrliche Natur von Culatra und Tavira. Etwas erstaunt hat uns eigentlich bloss der ewig kalte Starkwind, der einem zuweilen das schönste Sonnen-Wetter vermieste. Nun freuen wir uns auf Sonne, Wärme und schon bald viel Wassersport!

Link zum Picas Photoalbum:
https://picasaweb.google.com/113775842201437177186/LagosNachElRompido2012?authuser=0&authkey=Gv1sRgCML379f049GWew&feat=directlink


Helen will add her comments here (in english language) at a later stage, as she is still very busy with her professional life and will need some time to catch up.

Sonntag, 6. November 2011

Von Baiona nach Lagos

Abendstimmung in der Marina von  Povoa de Varzim
Knappe 60 Meilen liegen vor uns auf dem Schlag über die Landesgrenze von Baiona in Spanien gen Pavoa de Varzim in Portugal. Deswegen heisst es "bereits" um 07h45 Anker-Auf. Bei schönem Wetter motoren und segeln wir nach Povoa und treffen da um 18h30 in Pavoa ein. Ursprünglich wollten wir neben der Marina ankern. Aber die freundlichen Marineros winkten uns in eine leere Box - die dann zu allem hin bloss 18.50 Euro pro Nacht kostet - also die günstigste Marina unseres Törns! Einziger Wermutstropfen: Wifi funktioniert nicht. Was solls - wie geplant kaufen wir uns im Städtchen am nächsten Tag einen Vodafone G3 Stick - nun sind wir unabhängig von Marinas und Wifi-Hotspot um an GRIB-Files und Mail zu gelangen.


Co-Skipperin vor dem Port-Tasting

Nach drei Schlechtwettertagen (grau, nass, kalt - brr) geht es dann los nach Porto mit der brandneuen Metro zum Stadtbummel. Am Morgen ist es ebenfalls grau-in-grau und entsprechend präsentieren sich die ersten Stunden in dieser Stadt. Aber schon bald verdrängt die Sonne die Wolken und ein Besuch bei Sanderman (älteste "Marke" der Welt) drängt sich auf. 




Tapfer kämpfen wir uns durch die vielen Keller - bis hin zum abschliessenden Port-Tasting. Unser Favorit dabei ist der Weisse Port, kalt serviert zum Apéro.


Azulejos im Bahnhof São Bento in Porto



Azulejos, die berühmten blau-weißen Fayence-Kacheln mit arabischen Wurzeln, sind in der ganzen Stadt zu finden. Zahlreiche Gebäude Portos sind mit diesen Kacheln verziert, unter anderen der Bahnhof der Stadt.
Dom-Luís-Brücke
Die Altstadt von Porto mit ihren zahlreichen Gebäuden aus unterschiedlichen Epochen, die diese verschiedenen Stilrichtungen widerspiegeln, ist allein wegen ihres Stadtbildes sehenswert. Imposante Bauten sind die Barockkirche Igreja Sao Francisco, der Kreuzgang der Kathedrale de Sé - mit Kacheln verkleidet - und der Palast de la Bolsa (Börse) mit seinem arabischen Salon.
Schon viel zu rasch ist unser Stadtbummel zu Ende.
Es geht vorbei an der Dom-Luís-Brücke, die Porto mit Vila Nova de Gaia, dem Zentrum der Portweinherstellung, verbindet. Diese Brücke wurde von Théophile Seyrig, einem Schüler Gustave Eiffels, entworfen und 1881 gebaut.


Porto hat uns mit atemberaubend schöner Architektur - aber auch mit teilweise etwas tristen, verwahrlosten Gassen beeindruckt.
Am 31.8. gab es dann kurz vor dem Abschied aus dem äusserst gastfreundlichen Pavoa in der Marina noch eine Sturmnacht mit 42 kn (Bf9) und viel hartem Schwell in der Box. Aber die Leinen haben gut gehalten und schon bald war diese nervige Nacht mit Nebelhorn-Begleitung (wie Bombenalarm im II. Weltkrieg) überstanden.
Abendstimmung am Ankerplatz in Cascais
So hiess es dann am 4.9. "Leinen Los" - und bei viel (Seiten-) Wind ablegen zu einem tollen Schlag nach Cascais. Bei schönstem Wetter und gutem Wind benötigten wir für die 185 Meilen einen Tag und 11 Stunden. Diese Reisezeit wurde uns zusätzlich durch den Besuch einer Delfin-Familie mit Jungen versüsst. Wir kamen schliesslich wohlbehalten bei Bf6-7 und 3m-Welle im wunderschönen Cascais an.
Wie immer liegen wir vor Anker - wenn möglich. Insbesondere in Cascais eine gute Lösung, da die Marina wohl schön, aber auch extrem teuer ist.
Hier in der Bucht treffen wir den Genfer Segler Michel - später mit Frau Anne auf Felix H.
Von Cascais aus lässt sich Lissabon sehr gut erforschen. Der romantische Bummelzug fährt uns für weniger als 10 Franken in ca. einer Stunde in die Hauptstadt Portugals.

Eléctricos de Lisboa


Mit den "Eléctricos de Lisboa" aus dem Jahre 1901 fahren wir los.


Diese schöne weisse Stadt am Meer auf sieben Hügeln erbaut und vom Rio Tejo umrahmt wurde von den Phöniziern etwa im 9. -7. Jhdt v.Chr. gegründet, von den Römern und Mauren besetzt, gelangte im Mittelalter als Hauptstadt der Entdecker zu Ruhm und Reichtum und wurde im Jahre 1755 durch ein Erdbeben (Stärke 9 mit anschliessendem Tsunami)  zerstört.



Auch nach dem Wiederaufbau durch den Marques de Pombal wurde die Stadt von der Geschichte des Landes geprägt: Besetzung durch die Franzosen, Flucht der Adligen und des Königshauses nach Brasilien. Verlust Brasiliens und des Reichtums, Finanzkrisen, Staatsbankrott 1892; 1910 Ausrufung der Republik, 1933 -1970 Diktatur durch Salazar, 1974 die unblutige Nelkenrevolution, EXPO 1998.


Lissabon - heute Hauptstadt eines modernen EU-Staates. Im Grossraum Lissabon leben 3 Millionen Einwohner.
Die Sehnsucht der Portuguiesen nach vergangenem Weltruhm schwingt heute noch nach im Fado - dem portugiesischem Volksgesang.

Sarkophag von Vasco Da Gama (1468-1524)
Entdecker des Seewegs nach Indien
Lissabon erstreckt sich entlang des rechten Tagus-Ufers. Das Stadtzentrum von Lissabon, die Baixa, liegt in dem im 18. Jahrhundert errichteten Gebiet um Rossio. Östlich der Arkade Praça do Comércio (wo wir die Eléctrico bestiegen haben) liegen die mittelalterlichen Viertel Alfama und Mouraria, gekrönt von dem herrlichen Schloss St. Georg. Westlich davon liegen Bairro Alto und Madragoa mit ihren typischen Gassen, und am westlichen Ende befindet sich Belém mit dem Belém-Turm (der Wachturm über dem Tagus-Fluss, der zum Schutz der Stadt Lissabon errichtet wurde), das Kloster Jerónimos (Meisterwerke der manuelinischen Architektur und in das Welterbeverzeichnis der UNESCO aufgenommen) und das Kulturzentrum von Belém.

Co-Skipperin im Museu di Marinha (beim
Kloster Jerónimos )
Zum Abschluss unseres Besuchs im wunderbaren Lissabon besichtigen wir noch mit pochenden Füssen und weiterhin 30 Grad Hitze das Marinemuseum (Museu di Marinha) in dem sehr eindrücklich die Seefahrtsgeschichte über sämtliche Epochen Portugals dargestellt wird. 


Unweit vom Marinemuseum befindet sich das Denkmal der Entdeckungen (Padrão dos Descobrimentos). Es steht am Ufer des Flusses Tejo und wurde 1960 zum 500. Todestag von Heinrich dem Seefahrer errichtet. 



Das Padrão dos Descobrimentos steht im Vorort Bélem
mit Cristo Rei im Hintergrund  


Auf der gegenüberliegenden Flussseite befindet sich die riesige Jesus-Statue "Cristo Rei". Die Statue steht auf einem 75 Meter hohen Sockel. Dieser befindet sich 113 Meter über dem Tejo. Die Statue selbst ist 28 Meter hoch und stellt Christus mit geöffneten Armen dar, der sich der Ponte 25 de Abril und der Stadt Lissabon zuwendet. Kein Wunder also, dass Rio de Janeiro mit ihrer Christusstatue auf dem Corcovado Partnerstadt von Lissabon ist. 


Da uns nun auch Cascais  zweimal bis 04h00 Uhr morgens mit  "Disco Bumm Bumm" verwöhnte, brechen wir am 10.9. auf um Sines zu erobern. Den kurzen Schlag von 54 Meilen motor-segeln wir durch eine Kaltfront bei bedecktem, nassem Wetter und ruhiger See. 




Abendstimmung in Sines (nach dem Abwasch)
Auch bei Sines, Geburtsort von Vasco da Gama, war es ein leichtes sich für den Anker - anstelle der Marina - zu entscheiden. Zur Begrüssung dürfen wir ein bisschen petro-chemische Dämpfe von der gegenüberliegenden Raffinerie schnüffeln. Der grosse Oeltanker bringt alsbald Nachschub, dass es weiter rauchen und stinken kann. 


Glücklicherweise dreht der Wind bald und wir erkunden Sines zu Fuss.


Auch hier herrschen nun wieder hitzige 30 Grad. An der Hafenmauer entdecken wir hier Graffiti, die irgendwelche Strolche als Gruss hinterlassen haben. 


Ein feiner Lunch im lokalen Restaurant de Castello  bringt uns dann auf äusserst angenehme Gedanken.


Das heute ruhige Cabo de São Vicente
Am 12.9. lichten wir den Anker da wir heute sonniges Wetter - und vor allem ruhige See mit Bf4 aus NW haben. 
Es gilt nämlich das Cabo de São Vicente zu umrunden. Bei starkem Nordwind und Welle aus Südwest kann sich hier eine sehr gefährliche Situation aufschauckeln. Für uns jedoch präsentiert sich das Cabo in bester Laune. Schon bald ankern wir nach 62 Meilen  in der kleinen Bucht von Sagres.






Bereits beim Einlaufen in die Bucht von Sagres kreuzen wir mit einem eigenartigen organgenen doppelstöckigem Motorkreuzer. Auf beiden Decks viele lustige Leute mit Bier in den Händen. Wir grüssen uns und setzen unseren Anker bei aufrischenden Bf 6. Unser Rocna krallt sich wie immer eisern in den Sand und lässt uns in Ruhe unseren Sun-Downer geniessen. Schon bald wird die Ruhe durch den Bass und die Drums elektonischer Techno-Musik unterbrochen. Das sind die netten Leute vom orangenen Boot, die neben uns geankert haben. Leider dauert das bis in alle Nacht. Scheint eine neue Strategie dieser Verantstaler zu sein. Sobald die Polizei wegen Nachtruhestörung aktiv werden sollte, lichten sie einfach den Anker und machen in der nächsten Bucht weiter. 


Sagres wartet jedoch noch mit einer anderen Überraschung auf. Wir erwachen um 6 Uhr morgens da unser Katamaran äusserst unruhig im Schwell liegt. Sehr katamaran-untypisch. Ein verschlafener Blick nach draussen: Du guter Schreck! Da kamen über Nacht richtige "Micro-Tsunamis" in unsere Bucht geschlichen und brechen sich ca. 80 m vor unserem Anker mit beachtlicher Grösse (geschätzte 2 Meter Brecher). So rasch haben unsere 4 Nachbarsboote und wir wohl den Anker noch nie gelichtet. Innert Minuten waren wir auf dem Weg aus der Bucht raus. Beim Frühstück unterwegs entscheiden wir die seichte aber schöne Lagune von Alvor anzulaufen. 


So schön liegen wir in der Lagune des Ria de Alvor
Nach einigem Herzklopfen als der Tiefenmesser  in der Lagune langsam gegen die Null-Marke klettert erreichen wir unseren traumhaften Ankerplatz umgeben von Sandbänken. Wir liegen mitten in einem wunderschönen Naturschutzgebiet. Trotzdem erreichen wir das touristisch gut erschlossene Dörfchen gut per Kajak - oder natürlich unserem Beiboot für die Grosseinkäufe.


Alvor ist eine Gemeinde (Freguesia) und Kleinstadt (Vila) im Kreis Portimão, in der Region Algarve, Portugal. Sie liegt zwischen den Städten Portimão und Lagos an einer Lagune und der Mündung des Rio de Alvor. Von den rund 5000 Einwohnern leben etwa 3000 im historischen Dorfkern, der sich mit engen Gassen, weissgestrichenen Häusern und dem Hafen seinen ursprünglichen Charakter bewahrt hat. Daneben gibt es wunderschöne Strände und eine Vielzahl von Möglichkeiten zum Tauchen.


Skipper auf dem Weg zum Shopping
Der Fluss Alvor ist ein kleiner Fluss, der aus der Vereinigung von vier Flüssen entstand. Er durchfliesst die Gemeinden Odiáxere, Mexilhoeira Grande und Alvor (Portimão).

Traum-Strand bei Alvor
Die Ria de Alvor ist ein ca. 1400 ha grosses Naturschutzgebiet westlich des Badeortes Alvor.
Das Gebiet wird auf der östlichen Seite begrenzt durch die Ribeiras (kleine Flüsse) Farelo und Torre, die zum breiten Rio de Alvor vereinigt in den Atlantik münden. An der Westseite bilden die Ribeira de Odiáxere und die Ribeira do Arão die Grenze.





Grosse Dünen schützen die Lagune vor der zerstörerischen Kraft des Atlantiks, so dass ein Naturreservat insbesondere für Vögel entstehen konnte. 

Die Vögel finden in den Salzmarschen, die etwa die Hälfte des Gebietes bedecken, hinreichend Nahrung. Die Ria de Alvor ist nach der Ria de Formosa und der Sapal de Castro Marim die drittgrösste Feuchtzone an der Algarve. Wissenschaftler haben hier 253 verschiedene Vogelarten und 627 unterschiedliche Pflanzen gezählt. Für die einheimische Bevölkerung sind vor allem Muscheln und andere Schalentiere wichtig, die bei Ebbe aus dem Schlick gebuddelt werden.


Am 19.9. verabschieden wir uns von unseren Bootsnachbarn Chris und Sue auf der Nimrod (http://www.nimrodsailing.blogspot.com/ ) und natürlich von Alvor - wir werden jedoche im nächsten Jahr wieder zurückkommen! Nun geht's auf zur Schiffswerft Sopramar in Lagos. Da soll Dakini auf den Winter vorbereitet werden und per Kran aus dem Wasser gehoben werden. 






Dakini wartet auf der Rampe auf den Kran
Nach Checkliste wird Dakini winterfest gemacht. Segel waschen, Genua abschlagen und schön rollen (ohne Falten), Bimini entfernen, alle Winchen einpacken, Wassermacher pickeln etc. Die Arbeit scheint kein Ende nehmen zu wollen. Dann endlich am 22. 9. ist es soweit. Dakini steht für den Kran bereit auf der Rampe. Bei Ebbe soll wir aus dem Wasser rausgehoben werden. Der Rückflug in die Schweiz ist für den 24.9. gebucht. Aber es soll alles ganz anders kommen.


Aber auch das 80-Tonnen Monster schafft es nicht, da
die Hebeschlingen zuviel Druck ausüben
Der erste Mobilkran (bis 30 Tonnen) kommt, schaut sich Dakini an - und nach verschwindet wieder. Da beginnt die Warterei bis dann um 22 Uhr endlich der grössere Bruder eintrifft. Das 80-Tonnen-Monster soll es richten. Unser Forward-Looking-Sonar kann jedoch nicht in den Rumpf eingezogen werden. Deshalb liegt der vordere Gurt ungewöhnlich weit vorne. Dadurch erhöht sich das Gewicht auf dem hinteren Gurt dermassen, dass unsere Dakini laut aufstöhnt, als der Kran beginnt sie zu heben. Nach dem zweiten Versuch brechen wir ab um Schaden an Dakini und unserem Seelenfrieden zu verhindern. Der 750-Euro-teuere Mobilkran-Einsatz kommt gegen Mitternacht zum Ende.




Skipper mit Dakini
Am 24.9.2011 verholen wir uns von der Rampe in die gegenüberliegende Marina de Lagos für die kommende Winterpause.


Diese Post beendet diesen Blog für diese Saison. Im Frühling 2012 geht es hier jedoch weiter. Wir freuen uns bereits jetzt wieder auf Dakini - und unsere Leser!








Zusammenfassung der Jungfernfahrt von Dakini 2011 (1'520 Nautische Meilen) und mehr:
YouTube Video "2011: ....so schön war es!"



Link zum Picasa Fotoalbum: 
https://picasaweb.google.com/marcel.c.saxer/BaionaNachLagos?authuser=0&authkey=Gv1sRgCPnNwv3P_ZS6Mw&feat=directlink 




Marina de Lagos und Dakini verabschieden sich